Energiemanagement bei Planung und Betrieb von Gebäuden

9.4 Massnahmenplan mit Kosten-Nutzen-Verhältnis

Ausgewählte Firmen für effiziente Energienutzung

9.1 Zielsetzung
9.2 Erfassen der aktuellen Situation
9.3 Vergleichswerte/Schwachstellenanalyse
9.4 Massnahmenplan mit Kosten-Nutzen-Verhältnis
9.5 Umsetzung der Massnahmen
9.6 Erfolgskontrolle

Aus den nach der Checkliste (Kap. 9.3) gefundenen Schwachstellen und den möglichen Massnahmen kann ein Massnahmenplan erarbeitet werden. Die Massnahmen werden dabei in drei Kategorien unterteilt: kurzfristige, mittelfristige und abhängige Massnahmen.

Kurzfristige Massnahmen

Massnahmen, welche ohne grosse finanzielle und/oder organisatorische Mittel kurzfristig umgesetzt werden können. Diese Massnahmen werden auch als Sofortmassnahmen bezeichnet. Meist handelt es sich dabei um kleinere Massnahmen, z.B. das Verändern von Betriebszeiten oder Sollwerten, Stilllegen von nicht benötigten Komponenten etc.

Mittelfristige Massnahmen

Diese Massnahmen sind in sich lohnend, d.h., es wird eine Abschreibezeit erreicht, welche unter dem geforderten Limit liegt. Sie können jedoch nicht sofort umgesetzt werden, da eine Planung erforderlich ist, kein genügendes Budget zur Verfügung steht oder aus betrieblichen Gründen eine Umsetzung erst später möglich ist. Hier handelt es sich typischerweise um grössere Vorhaben, z.B. der Einbau einer Wärmerückgewinnung bei einer Lüftungsanlage oder die Nachisolation der Kellerdecke.

Abhängige Massnahmen

Hier handelt es sich um Schwachstellen, deren Behebung allein aus energetischen Gründen zu teuer wäre. Im Rahmen von späteren, aus weiteren Gründen erforderlichen Umbauten können sie aber verwirklicht werden. Deshalb werden sie abhängige Massnahmen genannt. Typisch kann es dabei um die bessere Dämmung des Flachdaches handeln, welche aber erst ausgeführt werden kann, wenn das Dach wegen Undichtheit ohnehin saniert werden muss. Wichtig ist, dass dann aber diese Massnahme umgesetzt wird.

Diese geordnete Auflistung der Massnahmen erlaubt den Überblick über die erforderlichen Investitionen, die möglichen Einsparungen und die längerfristig erforderlichen Schritte.

Berechnung Kosten-Nutzen-Verhältnis

Für jede Massnahme wird ein Kosten-Nutzen-Verhältnis berechnet. Den Kosten der Massnahme (einmalige Investition für die Umsetzung der Massnahme) werden die jährlichen Einsparungen gegenübergestellt.

Die Bestimmung der Kosten der Massnahmen erfolgt durch die Person(en), welche den Massnahmenkatalog erarbeitet(n). Die Qualität der Zahlen hängt dabei wesentlich von der Fachkompetenz und der Erfahrung dieser Person ab. Weil sonst der Aufwand und die Honorarkosten zu hoch würden, kann kaum für jede Massnahme ein fertiges Projekt mit Kostenvoranschlag erarbeitet werden. Da es sich um viele Massnahmen handelt, sollten sich Ungenauigkeiten bei einzelnen Massnahmen ausgleichen. Diesen Kosten kann auch ein Zuschlag für die Honorare für die Schwachstellenanalyse sowie eventuell für Aufwendungen des Bauherrn zugeschlagen werden. Die Honorare für die Umsetzung müssen selbstverständlich ebenfalls berücksichtigt werden. Aus dieser einmaligen Investition müssen nun mit einer Amortisationsrechnung jährliche Amortisationsraten (= Finanzierungskosten) berechnet werden. Diese Berechnung stützt sich wiederum auf den gewünschten resp. erforderlichen Zins und der definierten Abschreibedauer.

Die Berechnung des Nutzens (der totalen Einsparung) erfolgt aus der Quantifizierung der Energieeinsparung und deren Umrechnung in Franken sowie der Berücksichtigung des Unterhaltes.

Für die grösseren Einzelmassnahmen, bei welchen Varianten erarbeitet wurden, muss die sinnvollste Variante ausgewählt werden. (Tab. 8)

Raster einer Massnahmentabelle
Tab. 8: Raster einer Massnahmentabelle

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sagt aus, um wie viel grösser (oder kleiner) die jährlichen Kosten (= Amortisation) als die jährlichen Einsparungen (Nutzen) einer Massnahme sind. Alle Massnahmen mit einem Kosten-Nutzen-Faktor unter 1 sind dabei wirtschaftlich interessant. Ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 0,5 sagt aus, dass die Kosten halb so gross sind wie der Nutzen, während umgekehrt ein solcher Faktor 2 bedeutet, dass die Kosten doppelt so hoch wie der Nutzen sind.

In der Tabelle werden die Sanierungsmassnahmen nur mit Nummer und Stichwort bezeichnet. Die Nummer dient zur klaren Kennzeichnung und raschen Auffindung. Sie kann auch strukturiert sein, z.B. H1K bis H8K: Massnahmen betreffend Heizung kurzfristig, L1M bis L12M: Massnahmen Lüftung mittelfristig, B1S bis B4S: Massnahmen Betrieb Sofortmassnahmen etc. oder nach Gebäuden, Abteilungen oder weiteren Strukturen unterscheidbar.

Zu jeder Massnahme gehört in der Dokumentation der Schwachstellenanalyse eine Beschreibung und nachvollziehbare Berechnung der Kosten und Einsparpotenziale.

Bei den Einsparungen kann nach den unterschiedlichen Energieformen (Wärme, Strom, evtl. Kälte, Druckluft) oder nach Energieträger (Öl, Gas, Strom etc.) unterschieden werden. Je nachdem dürfen auch das Wasser sowie eventuell weitere Betriebsmittel nicht vergessen werden.

Bei der Berechnung der Einsparungen ist es wichtig, dass gegenseitige Abhängigkeiten und Beeinflussungen nicht vergessen werden. So kann eine Massnahme das Sparpotenzial einer anderen verringern (oder evtl. verbessern), sodass, wenn beide realisiert würden, nicht die Summe der beiden Einzelmassnahmen eingespart werden kann. Beispiel: In einem Büroraum verbraucht die Beleuchtung heute 1500 kWh Strom pro Jahr. Mit Massnahme 1 soll die installierte Leistung für die Beleuchtung durch neue Leuchten auf die Hälfte reduziert werden. Damit werden 750 kWh eingespart. Mit Massnahme 2 soll mit einer automatischen, tageslichtabhängigen Beleuchtungssteuerung die Vollbetriebszeit halbiert werden. Damit können, im Vergleich zu heute, ebenfalls 750 kWh gespart werden. Wenn beide Massnahmen verwirklicht werden, würde diese Beleuchtung also zukünftig keinen Strom mehr benötigen.

Auf keinen Fall dürfen die Unterhaltskosten und Betriebskosten (evtl. im Unterhalt subsumiert) vergessen werden. Je nach Variante können sich diese deutlich unterscheiden und betragsmässig mehr als die Energie ausmachen. Falls die Unterhalts- und Betriebskosten ansteigen, werden sie negativ in die Tabelle eingetragen.

Die Nutzungsdauer entspricht entweder der sicher erwarteten Lebensdauer der Anlagen resp. Bauteile. Angaben von Nutzungsdauern finden sich z.B. in der Empfehlung SIA 380/1. Im Allgemeinen betragen die Nutzungsdauern für gebäudetechnische Installationen 10 bis 20 Jahre, für Bauteile 30 bis 50 Jahre. Oft wird aus geschäftspolitischen Gründen jedoch nicht die Lebensdauer der Nutzungsdauer zugrunde gelegt, sondern die Gebrauchsdauer in Abhängigkeit der Geschäftstätigkeit. Ob z.B. eine Produktionshalle oder Bankfiliale auch in 5 Jahren noch als solche genutzt werden kann, ist oft unsicher. Deshalb wird teilweise verlangt, dass sich Investitionen innerhalb von 3 bis 5 Jahren zurückzahlen. Die Vorgabe der Nutzungsdauern ist also einerseits von technischen, andererseits von geschäftspolitischen Gegebenheiten abhängig.

Die jährliche Amortisation wird aus der Investition und der Annuität berechnet. Die Annuität ist der jährliche Prozentsatz für Verzinsung und Abschreibung der Investition. Sie wird aus dem verlangten Zinssatz und der Nutzungsdauer mit einer Zinseszinsrechnung berechnet oder einfacher aus einer Tabelle entnommen. Die Festlegung des Zinssatzes ist wiederum eine geschäfts- resp. finanzpolitische Angelegenheit. Es kann der gemittelte Zinssatz für Fremdmittel (typischerweise Hypotheken) zugrunde gelegt werden (4 % bis 5,5 %) oder die verlangte Rentabilität auf das Eigenkapital (bis z.B. 15 %).

Die totalen Einsparungen sind die Summe aller jährlichen Einsparungen an Energie, Wasser und Unterhalt. Die Einsparungen an Energie und Medien müssen dabei in Geldwerte umgerechnet werden. Der zugrunde zu legende Energiepreis sollte dem mittleren, effektiven Energiepreis während der zukünftigen Nutzungsdauer entsprechen. Da die Energiepreise aber nicht vorhergesagt werden können, ergibt sich hier eine gewisse Schwierigkeit. Je nachdem kann von den heutigen Energiepreisen ausgegangen werden, wobei kurzfristige Schwankungen ausgeglichen werden sollten, oder es kann eine Prognose gewagt werden. Für Energiepreise, welche als zu- (oder ab-)nehmend angenommen werden, kann der heutige Preis mit einem Mittelwertfaktor für die Energiepreisteuerung multipliziert werden. Dieser ist von der durchschnittlichen Teuerung (in Prozent) und der Betrachtungsdauer (= Nutzungsdauer) abhängig und kann aus Tabellen entnommen werden. Auch für Unterhalts- und Betriebskosten kann analog mit einer Teuerung gerechnet werden.

Der Kosten-Nutzen-Faktor wird schlussendlich mit einer einfachen Division, die (Amortisations-)Kosten pro Jahr dividiert durch die jährlichen Einsparungen, berechnet.