Energiemanagement bei Planung und Betrieb von Gebäuden

9.3 Vergleichswerte/Schwachstellenanalyse

Ausgewählte Firmen für effiziente Energienutzung

9.1 Zielsetzung
9.2 Erfassen der aktuellen Situation
9.3 Vergleichswerte/Schwachstellenanalyse
9.4 Massnahmenplan mit Kosten-Nutzen-Verhältnis
9.5 Umsetzung der Massnahmen
9.6 Erfolgskontrolle

Die Energiekennzahlen lassen sich nun mit Vergleichswerten vergleichen. Vergleichswerte finden sich in den SIA-Normen, aber auch in Forschungsberichten und Untersuchungsergebnissen (z.B. unter energieforschung.ch zu finden), bei vergleichbaren Unternehmen, bei Kantonen oder Städten oder auch im eigenen Betrieb, falls dieser über mehrere Gebäude verfügt.

Aus dem Vergleich lässt sich der energetische Zustand des untersuchten Gebäudes beurteilen.

Auch Vergleichswerte, bezogen auf die Leistungsgrössen des Unternehmens (z.B. Wärmeverbrauch pro Übernachtung, Stromverbrauch pro Mahlzeit, Wasserbedarf pro Kilogramm produziertes Papier), können wertvolle Hinweise auf Schwachstellen und das Optimierungspotenzial geben.

Natürlich muss ein im Vergleich guter eigener Wert nicht zwingend bedeuten, dass nicht doch noch Verbesserungsmöglichkeiten vorhanden sind, wie auch umgekehrt es nicht in jedem Fall möglich ist, den besten Wert zu erreichen. Jedoch ist ein solcher Vergleich ein gutes Mittel, das mögliche Optimierungspotenzial transparent zu machen und so ein zielgerichtetes Vorgehen zu ermöglichen. Aus der Differenz zwischen Istwert und Vergleichswert, multipliziert mit der Anzahl der Bezugsgrössen (z.B. Anzahl Quadratmeter), lässt sich sofort das Sparpotenzial und daraus auch die Kosteneinsparung pro Jahr errechnen.

Es ist klar, dass die Aussagekraft und die Nutzbarkeit solcher Vergleiche umso besser sind, je detailliertere Kennzahlen und Vergleichszahlen vorliegen. Leider macht dies das Erheben von Kennzahlen aufwändiger. Das Finden von detaillierten Vergleichswerten ist ebenso schwierig.

Schwachstellen

In diesem Zusammenhang werden unter Schwachstellen Installationen mit Energiesparpotenzial verstanden. Es gilt also, Möglichkeiten zu suchen, um durch eine Verbesserung den Energieverbrauch reduzieren zu können. Der Komfort resp. die Funktionalität müssen dabei weiterhin erfüllt werden. Es geht also nicht darum, nachher im dicken Pullover zu frieren, sondern dort Massnahmen zu ergreifen, wo der verlangte Komfort resp. die Leistung mit weniger Energieaufwand bereitgestellt werden kann. Oft wird man bei solchen Untersuchung auch auf Fälle stossen, wo der Komfort oder die gebotene Leistung nicht genügen. In solchen Fällen ist es besonders sinnvoll, Massnahmen zu ergreifen. Dabei muss versucht werden, beide Ziele, mehr Komfort oder Leistung und optimierter Energieverbrauch, synchron zu erreichen.

Schwachstellen lassen sich einerseits über die Vergleichswerte finden. Jedoch geben diese Werte keinerlei Auskunft über den Grund des im Vergleich höheren Energieverbrauches. Es wird nur ersichtlich, ob und allenfalls wo ein im Vergleich zu hoher Energieverbrauch auftritt. Um Verbesserungen zu erreichen, müssen nun konkrete Schwachstellen und praktisch umsetzbare Verbesserungsmassnahmen gefunden werden. Dazu braucht es neben der Kenntnis des Gebäudes, der installierten Anlagen und Geräte auch das Verstehen der Prozesse und der Nutzung. Mit Gespür, Erfahrung und Kenntnissen muss nun nach Mängeln und Verbesserungsmöglichkeiten gesucht werden. Dazu ist eine Inspektion des Gebäudes und seiner Anlagen erforderlich, ebenso müssen alle verfügbaren Unterlagen über Bau, Gebäudetechnik, Anlagen und Geräte vorhanden sein und die Gebäudenutzung muss bekannt sein.

Der wichtigste Know-how-Träger ist fast immer der Hauswart, Gebäudeverantwortliche resp. der Leiter des technischen Dienstes. Ohne ihn können viele Schwachstellen nicht gefunden werden, und gegen ihn ist es schwierig, Verbesserungen umzusetzen. Eine Schwachstellenanalyse darf vom Hauswart nicht als Kontrolle seiner Arbeit oder gar als Misstrauensvotum gegen seine Kompetenz verstanden werden, sondern soll eine Hilfe auch für ihn sein und ihm Gelegenheit geben, schon lange bekannte Mängel und ersehnte Verbesserungen aufzulisten und bekannt zu machen.

Daneben können auch Gespräche mit den Gebäudenutzern, seien es Angestellte, Pensionäre, Kunden oder Mieter, zu wertvollen Erkenntnissen führen.

Oft ist es sinnvoll, diese Arbeit an einen externen Energieberater zu vergeben.

Die Untersuchung kann nach einer Checkliste erfolgen, um ein strukturiertes Vorgehen zu ermöglichen und keine Bauteile oder mögliche Problemfelder zu vergessen resp. alle möglichen Sparpotenziale zu finden. Im Anhang 12.2 findet sich ein Beispiel einer solchen Checkliste, wobei kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht.

Es ist zu empfehlen, vor Beginn einer Schwachstellenanalyse eine solche Checkliste für den konkreten Fall aufzustellen. Dabei kann auch auf gewisse Punkte bewusst verzichtet werden, bei welchen sicher bekannt ist, dass keine Schwachstelle resp. kein Sparpotenzial vorhanden ist. Ebenso kann eine Unterteilung in Punkte mit tendenziell grossem Sparpotenzial und solchen mit kleinem Sparpotenzial vorgenommen werden. Dazu dienen die möglichst detailliert aufgestellte Energiebilanz mit Energieflussdiagramm und die Tabelle SIA 380/4 sowie der Vergleich mit Kennzahlen.

Bei jedem Punkt muss mit Sachkenntnis beurteilt werden, ob eine Schwachstelle vorhanden ist, wie eine Verbesserung aussehen könnte, was diese einspart resp. nützt (Energie und Betriebskosten, eventuell Verbesserung des Komforts oder der Leistung), wie und wann diese Verbesserung realisiert werden könnte und was diese Massnahme kostet. Dabei ist wiederum wichtig, nicht alles bis ins Detail und auf die letzte Kommastelle genau erfassen zu wollen, sondern mit Abschätzungen und Erfahrungswerten zu möglichst realistischen Zahlen zu kommen.

Bei grossen resp. den wichtigsten Teilen, z.B. der Wärmeerzeugung oder der Gebäudehülle, kann auch eine vertiefte Untersuchung sinnvoll sein. Eventuell können hier auch verschiedene Varianten von Verbesserungen erarbeitet werden.

Aus dieser Arbeit folgt eine Liste mit allen möglichen Massnahmen, womit wir beim nächsten Kapitel wären.