Energiemanagement bei Planung und Betrieb von Gebäuden

6.2 Energiekonzepte

Kapitel: 06 Konzepte

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6.1 Grundlagen
6.2 Energiekonzepte
6.3 Messkonzepte

Unter einem Energiekonzept wird eine Untersuchung verstanden, wie ein Gebäude am sinnvollsten mit Energie (Wärme für Heizung, Kälte für Kühlung, Strom für Beleuchtung, Betriebseinrichtungen etc.) versorgt wird, wie der Energieverbrauch minimiert werden kann und wie die Umwandlung und Verteilung der Energie innerhalb des Gebäudes vor sich gehen soll. Dazu kommt die Frage, mit welchen Systemen der Gebäudetechnik das Gebäude ausgerüstet werden soll. Es könnte also von einem Energieversorgungskonzept, einem Konzept der energieoptimierten Gebäudehülle und Bauweise sowie von einem Gebäudetechnikkonzept gesprochen werden. Diese werden in der Praxis meist unter dem Begriff Energiekonzept subsumiert.

6.2.1 Zielsetzung

6.2.1 Zielsetzung – 6.2.2 Vorgehen – 6.2.3 Werkzeuge – 6.2.4 Darstellung des Energiekonzeptes – 6.2.5 Kosten

Als Erstes muss eine Zielsetzung erfolgen, damit ein zielgerichtetes Vorgehen möglich wird und die gestellten Anforderungen bekannt sind.

Die Ziele müssen von der Bauherrschaft vorgegeben werden. Die einzelnen Ziele können auch gewichtet werden, um so mögliche Varianten besser vergleichen zu können. Je nach Erfahrungen und Kenntnissen der Bauherrschaft kann eine Beratung durch einen Energiefachmann sinnvoll oder nötig sein. Es empfiehlt sich, der Zielsetzung einen genügend hohen Stellenwert einzuräumen. Nur so können die Ziele effizient erreicht und Enttäuschungen oder unnötige Arbeit und «Ehrenrunden» vermieden werden. Aus der Erfahrung lässt sich sagen: Je anspruchsvoller die Ziele gesetzt werden, desto besser wird die Lösung.

Für ein Energiekonzept können beispielsweise folgende Ziele im Vordergrund stehen:

  • Sichere, zukunftsgerechte Energieversorgung
  • Minimale Investitionen für Energieversorgung und Gebäudetechnik
  • Minimaler Verbrauch an nicht regenerierbarer Primärenergie
  • Maximale Nutzung von regenerierbarer Energie
  • Minimierung der CO2-Emissionen
  • Erreichung eines vorgegebenen Komfortniveaus
  • Minimale Unterhaltskosten der Gebäudetechnik resp. des Gebäudes
  • Bewährte Systeme
  • Innovative Systeme und Technik
  • Minimale Emissionen an Schadstoffen
  • Flexible Systeme und Raumnutzung
  • Erreichung bestimmter Zielwerte oder Labels (z.B. nach SIA 380/1 resp. 380/4, Minergie®, DGNB)
  • Minimaler Platzbedarf der Gebäudetechnik
  • Bestimmte Vorgaben an die Versorgungssicherheit resp. Redundanz der Systeme
  • Langfristiger Werterhalt des Gebäudes
  • usw.

Die Ziele können in einem Lastenheft (Anforderungskatalog) für das Energiekonzept vorgegeben werden. In diesem Lastenheft kann der Bauherr auch diejenigen Lösungen und Randbedingungen definieren, welche er schon kennt resp. sicher erfüllt haben will. Der Energieberater oder der Planer, der das Energiekonzept ausarbeitet, erstellt daraus das Pflichtenheft für das Gebäude. Das Pflichtenheft stellt dann die verbindliche Vorgabe für die weitere Planung dar.

Auch für bestehende Bauten kann ein Energiekonzept erstellt werden. Darin werden die langfristige Planung und ein sinnvolles Vorgehen definiert, wie ein heute eventuell mit Mängeln und Schwachstellen behafteter Altbau mittelfristig saniert werden kann. Dabei werden die ohnehin erforderlichen Instandsetzungen, Sanierungen und Umbauten so ins Konzept integriert, dass am Ende ein klares Ziel erreicht werden kann und nicht einfach jeweils gerade das Nötigste gemacht wird, ohne ein Ziel oder das Ganze vor Augen zu haben.

Leider wird auch heute nur für die wenigsten bestehenden Bauten ein Energiekonzept erstellt. Noch am ehesten wird bei grösseren Umbauten oder Umnutzungen ein Energiekonzept erstellt. Kleinere Umbauten sowie der Ersatz von Anlagen erfolgt meist aufgrund des momentanen Bedarfes, aber ohne dass dahinter ein längerfristiges Konzept oder eine strategische Zielsetzung steht. Bestehende Schwachstellen eines Gebäudes können so oft nicht behoben werden. Im Endeffekt können auch die Kosten nicht optimiert werden.

6.2.2 Vorgehen

6.2.1 Zielsetzung – 6.2.2 Vorgehen – 6.2.3 Werkzeuge – 6.2.4 Darstellung des Energiekonzeptes – 6.2.5 Kosten

Neubauten

Das Energiekonzept steht bei einem Neubau am Beginn der Planung, im Idealfall zusammen mit dem Beginn der architektonischen Entwürfe für das Gebäude. Lediglich die strategische Planung kommt noch vorher. Diese beantwortet Fragen, wie was wann und wo gebaut werden soll, wie der Raumbedarf anders gedeckt werden könnte, ob es ein eigenes Gebäude oder ein Mietobjekt ist, für wie lange das Gebäude wie geplant genutzt werden soll resp. kann etc.

Das Energiekonzept behandelt sowohl das Gebäude an sich als auch die Energieversorgung und die ganze Gebäudetechnik. Es muss deshalb in einem interdisziplinären Team unter Leitung eines Energie- resp. Gebäudetechnik-Spezialisten erarbeitet werden. Diese Person muss auf dem Gebiet der Energie- und Gebäudetechnik ein Generalist sein, d.h. er (oder sie) muss alle für das Energiekonzept wichtigen Spezialgebiete sowie deren theoretische Grundlagen kennen. Zudem sollte diese Person so viel von der Praxis wissen, dass keine nicht ausführbaren oder an kleinen praktischen Details scheiternden Lösungen vorgeschlagen werden. Zum Team gehört auch der Architekt, der Bauingenieur (Statiker), meistens der Bauphysiker oder einzelne Gebäudetechnikplaner und idealerweise ein Bauherrenvertreter.

Um ein Energiekonzept innerhalb eines interdisziplinären Planungsteams erarbeiten und später umsetzen zu können, muss der Verantwortliche für das Energiekonzept zudem ein ausgesprochener Teamplayer sein und gleichzeitig so viel Kompetenz und Führungskraft ausstrahlen, dass er anerkannt wird und seine Ideen und Ansprüche durchsetzen kann.

Die folgenden Sachgebiete spielen für das Erarbeiten eines Energiekonzeptes eine Rolle:

  • Bauphysik
  • Bautechnik (Statik)
  • Architektur
  • Fassaden- und Fenstertechnik
  • Energieversorgungstechnik
  • Heizungstechnik
  • Lüftungs- und Klimatechnik
  • Kältetechnik
  • Sanitärtechnik
  • Elektrotechnik
  • Beleuchtung, Tageslichtnutzung
  • Regenerierbare Energie
  • Komfortkriterien, Ergonomie
  • Kosten- und Wirtschaftlichkeitsrechnung
  • Ökologie
  • Nachhaltigkeit

Die Erarbeitung eines Energiekonzeptes bedarf der vertiefen Fachkenntnisse aller dieser Sachgebiete. Fehlende Kenntnisse müssen von ausserhalb des interdisziplinären Teams von Spezialisten des betreffenden Sachgebietes geholt werden.

Die wichtigste, aber oft schwierigste Schnittstelle besteht zwischen der Architektur und der Energietechnik. Ein Bau muss vom Architekten auch nach energetischen und gebäudetechnischen Aspekten geplant werden. Nur so können anspruchsvolle Ziele des Energiekonzeptes mit minimalem Aufwand erreicht werden. Ohne Berücksichtigung der energetischen Aspekte beim Gebäudeentwurf kann auch mit einem noch so intelligenten Energiekonzept eine anspruchsvolle Zielsetzung kaum oder gar nicht erreicht werden. Das architektonische Konzept muss viele unterschiedliche Anforderungen erfüllen: Funktionalität und Nutzbarkeit des Gebäudes, ästhetische Qualität, Kosten, Statik, baurechtliche Randbedingungen etc., aber eben auch die Energietechnik. Allen diesen Ansprüchen muss auch das Energiekonzept genügen.

Während der Konzeptbearbeitung sollte der Energiefachmann den Architekten darin unterstützen, den Gebäudeentwurf und die Fassadengestaltung so zu planen, dass kein erhöhter Energieverbrauch, keine Verteuerung der Gebäudetechnik oder keine Einschränkung des Komforts erfolgen. Er muss aber gleichzeitig die übrigen Anforderungen an die Architektur anerkennen und den Architekten auch darin unterstützen, seine gestalterischen Vorstellungen und Wünsche sinnvoll umzusetzen.

Bestehende Bauten

Bei bestehenden Bauten muss das Vorgehen insofern angepasst werden, als hier wesentlich mehr Randbedingungen fest vorgegeben sind. Das Energiekonzept soll, ausgehend vom Istzustand des Gebäudes und des Energiebedarfes, die weiteren Schritte und vor allem ein Endziel aufzeigen. Vom Endziel abhängig können dann alle nötigen Renovationen und anfallenden Ersatzinvestitionen in die Gebäudetechnik zielgerichtet vorgenommen werden.

Die anfallenden Renovations- und Sanierungsschritte haben vielfach einen gegenseitigen Einfluss. So beeinflusst ein Umbau der Klimaanlage den Wärmeleistungsbedarf. Eine Erneuerung der Beleuchtung beeinflusst den Strombedarf, den Kühlbedarf im Sommer und den Heizbedarf im Winter. Zudem könnte sich die Möglichkeit ergeben, mit der Beleuchtung auch die Doppeldecke zu sanieren resp. ganz wegzulassen. Damit erhöht sich die Speicherfähigkeit der Räume und die Kühllast sinkt. Der Ersatz der Fenster hat Einflüsse auf den Heizbedarf (besserer U-Wert), den Lüftungsbedarf (neu zu öffnen, im Winter dicht), den Kühlbedarf (neu äusserer Sonnenschutz) und so weiter.

Bei falschem Vorgehen werden Sachzwänge erzeugt, welche die Möglichkeiten bei nachfolgenden Umbauten einschränken, oder es werden unnötige Investitionen getätigt (z.B. der Heizkessel wird ersetzt, 2 Jahre später werden die Fenster erneuert). Ein auf ein mittel- und langfristiges Ziel ausgerichtetes Energiekonzept verhindert nicht optimale Lösungen und Flickwerke. Weiter kann es helfen, die Investitionen zu optimieren. Anspruchsvolle Ziele werden nur so erreichbar.

Beispiel:

Ein Bürogebäude aus den 1970er-Jahren verfügt über eine schlecht wärmegedämmte Fassade, nicht zu öffnende Fenster mit 2-facher Verglasung (U-Wert 3,0 W/m²K mit dazwi-schen liegenden Lamellenstoren), eine Klimaanlage mit 8-fachem Luftwechsel (8 h-1) und zwei Ölheizkessel. Der Innenausbau mit Spannteppich und abgehängter Decke sowie leichten Bürotrennwänden ist ebenfalls veraltet. Die Einbau-Rasterleuchten haben ca. 30 W/m² Anschlussleistung.

Ziel könnte es sein, am Ende ein Gebäude mit gut speichernden Gruppenbüros zu haben, zu öffnende Fenster mit äusserem Sonnenschutz, eine effiziente Beleuchtung, keine Klimatisierung mehr, nur noch eine Lüftung mit dem hygienisch erforderlichen Luftwechsel (im Sommer mit kühler Nachtluft und im Winter mit WRG). Die Wärmeerzeugung wird dann noch einen Bruchteil der heutigen Leistung benötigen, sodass ein kleiner Kessel reicht.

Daraus wird klar, dass die dringende Sanierung der Heizung vorerst so ausgeführt wird, dass nur ein Kessel durch einen kleineren ersetzt wird, der andere wird als Spitzenkessel belassen.

An der Kälte- und Klimaanlage wird nur das Nötigste gemacht, bis die Fenster erneuert sind und die Decken mit Beleuchtung saniert sind. Zuletzt kann dann die neue Lüftung (unter Nutzung der bestehenden Kanäle) installiert werden und der alte Heizkessel kann stillgelegt werden. Überlegen Sie sich, wie das Resultat wäre, wenn anders vorgegangen würde.

Ein solches Energiekonzept darf nicht mit der Betriebsoptimierung der bestehenden Anlagen verwechselt oder gleichgesetzt werden. Die Anstrengungen (und Erfolge) der Betriebsoptimierung müssen im Energiekonzept berücksichtigt werden. Das Energiekonzept umfasst aber im Gegensatz zur «täglichen» Arbeit der Betriebsoptimierung die grossen Instandsetzungs-, Umbau- und Erneuerungsvorhaben und die Koordination und langfristige Planung dieser Projekte.

Hemmnis zur Erstellung eines solchen Energiekonzeptes ist neben der Unkenntnis über den Nutzen vor allem, dass die Nutzung eines Gebäudes oft nicht längerfristig bekannt ist. Zudem sind die verantwortlichen Personen vielfach in die tägliche Arbeit verstrickte und mit dringenden Problemen zugedeckte Praktiker, welche auch deswegen nicht in der Lage sind, längerfristige Konzepte zu erarbeiten. Der Ausfall einer Anlage zur falschen Zeit, der einen sofortigen Ersatz nötig macht, kann das Konzept zudem infrage stellen oder das geplante Vorgehen erschweren.

6.2.3 Werkzeuge

6.2.1 Zielsetzung – 6.2.2 Vorgehen – 6.2.3 Werkzeuge – 6.2.4 Darstellung des Energiekonzeptes – 6.2.5 Kosten

Organisatorische Voraussetzungen

Bei der Bauherrschaft muss der Wille bestehen, ein energetisch mustergültiges Gebäude zu besitzen resp. zu erstellen. Dieses Ziel muss auch den externen Fachplanern kommuniziert werden. Entweder ist seitens Bauherrschaft der Projektleiter für das Energiekonzept (Beauftragung, Genehmigung, Kontrolle der Umsetzung) verantwortlich oder es wird ein Energiebeauftragter bestimmt. Dieser muss über gute Fachkenntnisse verfügen, aber auch über die nötigen sozialen Kompetenzen.

Integrale Planung:

Entsprechend der obigen Aufzählung der Sachgebiete, welche ein Energiekonzept beeinflussen, wird klar, dass ein Energiekonzept innerhalb eines Teams erarbeitet werden muss. Die Organisation im Planungsteam spielt eine wesentliche Rolle, welche Ziele erreicht werden können. Der Bauherr kann dies steuern, indem er den Planungsauftrag entsprechend vergibt. Die integrale Planung ist nicht nur für das Vorgehen wichtig, sondern kann auch als das wichtigste Werkzeug für ein energetisch optimiertes Bauvorhaben bezeichnet werden. Oft werden zusätzliche Leistungen zu den üblichen Honorarleistungen erforderlich sein, welche separat abgegolten werden müssen.

Im Einzelfall kann die Organisation im Planungsteam unterschiedlich aussehen. Auch hier sind eine klare und einfache Struktur sowie klare Kompetenz- resp. Aufgabenzuordnungen wichtig. Fast noch wichtiger ist jedoch, wie die «Chemie» innerhalb des Teams spielt.

Pflichtenheft

Das Pflichtenheft basiert auf dem Lastenheft des Bauherrn, in welchem dieser seine Anforderungen und Zielsetzungen vorgibt. Das Lastenheft enthält alle relevanten Projektziele, Randbedingungen und Anforderungen an das Bauvorhaben. Die Vorgaben und Zielformulierungen vom Bauherrn sollen Nutzung, Finanzierung, Betrieb, architektonische Vorstellungen, Energie- und Gebäudetechnik, Ökologie etc. umfassen. Insbesondere wichtig ist die klare Vorgabe der Erfordernisse für einen kostengünstigen und effizienten Betrieb des Gebäudes. Ebenfalls wichtig ist es, den Grad an Flexibilität der Gebäudenutzung vorzugeben, damit auf spätere Nutzungsänderungen und neue Ansprüche reagiert werden kann.

Das Pflichtenheft ist ein Arbeitsinstrument, in welchem jeder relevante Themenkreis eines Gebäudes behandelt wird. Im Pflichtenheft werden die Vorgaben, Zielwerte und Lösungswege definiert. Es dient der klaren Kommunikation von einer übergeordneten Stelle im Projekt zur nächst unteren resp. zur zeitlich folgenden, z.B. vom Konzeptplaner zu den Sachbearbeitern der Planung.

Die klar strukturierte, umfassende und präzise Information im Pflichtenheft dient als Informationsbasis und zur Erfolgskontrolle der Planung und Ausführung. In diesem Sinne ist das Pflichtenheft ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätssicherung in einem Projekt.

Ein Pflichtenheft erfüllt seine Aufgabe nur dann, wenn es laufend dem Projektfortschritt angepasst wird. Gleichzeitig müssen die übergeordneten Ziele und fixen Vorgaben laufend kontrolliert werden, um Abweichungen möglichst früh erkennen zu können.

Da das Pflichtenheft den Bau gewerkeübergreifend beschreibt, sollte es im Team und ggf. unter Beizug von Spezialisten der Fachgebiete geschrieben werden.

Nach der Verfassung des Pflichtenheftes und bei wesentlichen Veränderungen im Laufe des Projektes muss es dem Bauherrn zur Genehmigung vorgelegt werden.

Fachkenntnisse

Kenntnisse aller Fachgebiete der Bauwirtschaft sind für ein Energiekonzept relevant. Es muss sichergestellt sein, dass alle Gebiete im Energie-Planungsteam abgedeckt sind. Bei kleinen und wenig komplexen Bauvorhaben kann u. U. eine Person diese Fachkenntnisse auf sich vereinigen.

Nutzung, Instandhaltung und Gebäudebetrieb

Kenntnisse der Nutzung oder der Nutzungsarten sind für ein Energiekonzept ebenfalls wichtig. Alle bekannten Informationen zur zukünftigen Nutzung sollten im Energiekonzept berücksichtigt werden. Es sollten auch Nutzungsänderungen möglich sein, da die Nutzungszyklen meist viel kürzer sind als die Lebenszyklen eines Gebäudes.

Das Energiekonzept sollte auch die Instandhaltung der technischen Anlagen und den Gebäudebetrieb erleichtern und vereinfachen. Deswegen sind diesbezügliche Kenntnisse wichtig, und es sollte mit Fachleuten für den Gebäudebetrieb und aus dem Bereich Facility Management zusammengearbeitet werden.

Simulationen

Unter einer Simulation wird eine Berechnung verstanden, welche einen nach physikalischen Gesetzen formulierten Sachverhalt berechnet. In der Gebäudetechnik wird mit Simulation eine dynamische Berechnung eines Raumes, eines Gebäudes oder einer Anlage bezeichnet. Diese umfasst im Unterschied zu einer statischen Berechnung, welche einen Momentanwert abbildet, eine schrittweise Berechnung über einen längeren Zeitraum. Typischerweise werden diese Berechnungen in Stundenschritten durchgeführt. Dabei werden auch sogenannte dynamische Effekte wie die Wärmespeicherung in Wänden und Decken sowie die zeitlich variable Nutzung mit berücksichtigt.

Simulationen sind recht anspruchsvolle Aufgaben, da nicht nur die technischen und physikalischen Grundlagen beherrscht werden müssen, sondern auch die erforderlichen Computerprogramme. Es gibt in der Schweiz nur wenige Spezialisten in Planungsbüros sowie an einigen Fachhochschulen.

Jede Simulation basiert auf den bekannten Eingabedaten und das Resultat kann nur so gut sein wie diese Eingaben. Es gilt der bekannte Spruch: «garbage in = garbage out».

Die Resultate von Simulationen sehen oft beeindruckend aus. Grafische Darstellungen von Temperaturverläufen und Leistungsdaten erwecken den Eindruck hoher fachlicher Kompetenz. Wie die Architekten heute ihre Projekte mit dreidimensionalen Visualisierungen verkaufen, kann ein Gebäudetechnikplaner seine Konzepte mit Simulationsresultaten darstellen. Dies muss nicht immer eine Garantie für hervorragende Arbeit sein, sodass man sich von solchen Darstellungen auch nicht blenden lassen darf.

Simulationen dienen der Entscheidungsfindung und können im Sinne von Sensitivitätsuntersuchungen Auskunft über die Auswirkung von verschiedenen Varianten geben. Unterschiedliche Varianten können untereinander verglichen werden und es kann eine Optimierung oder Bewertung der Varianten stattfinden.

Mit den entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten ist es auch möglich, den Energiehaushalt und die zu erwartenden Raumtemperaturen im Voraus zu berechnen und so ein Konzept auf seine Machbarkeit zu testen. Um solche Ergebnisse auf ihre Richtigkeit zu prüfen, sollte jede Simulation validiert werden, das heisst entweder mit Messwerten oder mit statischen Berechnungen verglichen werden.

In vielen Kantonen ist heute für Klimaanlagen resp. für die mechanische Kühlung von Räumen ab einer bestimmten Leistung ein Bedarfsnachweis erforderlich. Auch dazu werden Simulationen eingesetzt, um rechnerisch nachzuweisen, dass ohne eine Klimaanlage zu hohe Raumtemperaturen zu erwarten wären (worauf dann die Bewilligung basiert).

Nebst Simulationsprogrammen für Energiehaushalt, HLK-Anlagen und Raumtemperaturen gibt es auch Simulationsprogramme für die künstliche und natürliche Beleuchtung und für viele weitere Gebiete.

Normen, Richtlinien, Empfehlungen

Normen, Richtlinien und Empfehlungen können weitere Werkzeuge für Energiekonzepte sein. Diese reflektieren den Stand der Technik auf der Grundlage von Gesetzen und Sicherheitsvorschriften sowie auf der Basis von fachlicher Expertise. Ebenso fördern sie die klare Kommunikation mit allen Beteiligten.

In der Schweiz ist die Schweizerische Normenvereinigung (SNV) für die Herausgabe von Normen zuständig. Die SNV vertritt die Schweiz gegenüber der weltweiten Normung (über ISO) und der europäischen Normung (über CEN). Die SNV hat den Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) mandatiert, die Normen im Bauwesen herauszugeben. Normen werden in Fachkomitees erarbeitet, in denen alle Interessengruppen ausgewogen vertreten sein müssen. Nach der Erarbeitung eines Entwurfes durchlaufen Normen einen Vernehmlassungsprozess, bei dem jede Fachperson oder jede interessierte Organisation eine Stellungnahme abgeben kann. Richtlinien und Empfehlungen werden von anerkannten Fachvereinen wie vom Schweizerischen Verein der Wärme- und Klimaingenieure (SWKI), vom Verband der HLKS-Installateure (Suissetec) und weiteren erarbeitet, wobei hier keine weiteren Regeln einzuhalten sind. Normen und teilweise auch Richtlinien haben insofern einen rechtlich verbindlichen Charakter, als im Schadensfalle dem Planer ein Verschulden angelastet wird, wenn er gegen Normen verstossen hat. Normen, aber teilweise auch Richtlinien gelten als Stand der Technik.

Umgekehrt kann das zu strikte Festhalten an bestehenden Richtlinien und Normen hemmend auf den Fortschritt und auf neue, innovative Lösungen wirken. Hier ist zwischen dem möglichen Nutzen und dem Risiko abzuwägen.

Natürlich darf ein Energiekonzept in keinem Punkt von gesetzlichen Vorschriften abweichen. Insofern sind auch Kenntnisse der relevanten Vorschriften erforderlich.

6.2.4 Darstellung des Energiekonzeptes

6.2.1 Zielsetzung – 6.2.2 Vorgehen – 6.2.3 Werkzeuge – 6.2.4 Darstellung des Energiekonzeptes – 6.2.5 Kosten

Das Ergebnis eines Energiekonzeptes kann ein Bericht sein, der als Beilage auch einfache Schemata und Pläne enthalten kann. Der Bericht sollte knapp formuliert sein und klare Aussagen in einer auch für Laien verständlichen Sprache enthalten. Aus den gemachten Untersuchungen sollte eine klare Empfehlung abgeleitet sein.

Auch ein Pflichtenheft wird in Form eines schriftlichen Berichtes verfasst und kann analog aussehen.

Ein typischer Aufbau eines Energiekonzeptberichtes könnte wie folgt aussehen:

  1. Zusammenfassung
  2. Grundlagen, Ausgangslage
  3. Vorgaben aus Pflichtenheft Bauherr
  4. Untersuchte Lösungsvarianten
  5. Schlussfolgerungen und Empfehlung
  6. Anhang mit Berechnungsresultaten, Details zu den Lösungsvarianten, Daten etc.
  7. Beilagen: evtl. Pläne, Schemata

Zur Verdeutlichung der Aussagen und Lösungsvorschläge sind grafische Darstellungen hilfreich (Beispiele siehe Abb. 10 und Abb. 11). Gut bewährt hat sich auch die Darstellung von Raummodulen in Schnitt und eventuell Grundriss, um die Funktionalität und Ausrüstung typischer resp. repräsentativer Räume zu verdeutlichen.

Beispiel Schemaschnitt Dock E (Midfield), Zürich Flughafen
Abb. 10: Beispiel Schemaschnitt Dock E (Midfield), Zürich Flughafen
nach: Energiekonzept Dock Midfield Zürich Flughafen, ARGE Zayetta, 1998
Raummodul Klassenzimmer
Abb. 11: Raummodul Klassenzimmer
aus: Amt für Hochbauten Stadt Zürich, 2008, Raummodul Klassenzimmer, Standard

6.2.5 Kosten

6.2.1 Zielsetzung – 6.2.2 Vorgehen – 6.2.3 Werkzeuge – 6.2.4 Darstellung des Energiekonzeptes – 6.2.5 Kosten

Ein Energiekonzept verursacht auch Kosten in Form von Honoraren und eigener Arbeit der Bauherrschaft. Der Nutzen lohnt diese Kosten aber immer. Erfahrungsgemäss kann für kleine Bauten mit einem Honorar von etwa 1 % der Investitionskosten für die Gebäudetechnik (resp. ca. ¼ % der Gesamtinvestition) gerechnet werden. Bei sehr grossen Bauten können auch schon Resultate mit der Hälfte dieser Prozentsätze erreicht werden. Es ergeben sich Beträge von CHF 5000.– bis ca. CHF 250’000.–. Für Bauten unter einer Bausumme von CHF 2 Mio. lohnen sich spezielle Energiekonzepte nur in Ausnahmefällen, hier sollten gute Standardlösungen vorgezogen werden.