Energiemanagement bei Planung und Betrieb von Gebäuden

4.3 Kostenzuordnung

4.1 Versorgungssicherheit
4.2 Kostenoptimierung
4.3 Kostenzuordnung

4.3.1 Zielsetzung

4.3.1 Zielsetzung – 4.3.2 Kosten- und Nutzenbetrachtung – 4.3.3 Umsetzung der Kostenzuordnung

Die Kostenzuordnung im Bereich Energie und Medien hat zum Ziel, diese Kosten den Verursachern (Kostenstellen) zuzuordnen. Basis der Kostenaufteilung ist also die Kostenstellenstruktur des Unternehmens.

Eine Zuordnung der Kosten zu den Verursachern ist dann besonders wichtig, wenn für Dritte Leistungen erbracht werden. Damit wird eine korrekte Weiterverrechnung der Energie- und Medienkosten möglich.

Mietgebäude

In vermieteten Gebäuden ist die Zuordnung der Wärmekosten (Heizung und Warmwasser) zu den einzelnen Mietern teilweise Vorschrift (verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung [VHKA]). Diese Vorschriften unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Aufgrund der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) muss bei Neubauten ab fünf Mietern eine verbrauchsabhängige Wärmekostenverrechnung erfolgen (Heizung und Warmwasser). Bei sehr sparsamen Gebäuden kann diese Vorschrift umgangen werden.

Der Strom wird üblicherweise direkt von den Energieversorgungsunternehmen an die einzelnen Mieter geliefert und jeweils direkt verrechnet. In Zukunft mit der Strommarktliberalisierung könnte es möglich werden, dass vermehrt ein Sammelbezüger (z.B. eine Betriebsgesellschaft eines Einkaufszentrums) den Strom einkauft und an die verschiedenen Mieter weiter verteilt und verrechnet.

4.3.2 Kosten- und Nutzenbetrachtung

4.3.1 Zielsetzung – 4.3.2 Kosten- und Nutzenbetrachtung – 4.3.3 Umsetzung der Kostenzuordnung

Jede Kostenzuordnung verursacht auch einen Aufwand. Es muss deswegen immer abgewogen werden, ob der Nutzen der separaten Erfassung und Verrechnung den Aufwand lohnt.

Neben der besseren Transparenz und Gerechtigkeit kann ein bedeutender Nutzen der separaten Kostenerfassung darin liegen, dass dank der Zuordnung der Kosten zu den einzelnen Verbrauchern deren Sparwille erhöht wird. Damit kann erfahrungsgemäss ein gewisses Sparpotenzial erschlossen werden, welches bei der individuellen Abrechnung der Heizenergie 10 % bis 15 % ausmachen kann.

Die separate Erfassung der Energie- und Medienverbräuche kann auch die Transparenz des Energieverbrauches erhöhen und so gezielter Schwachstellen deutlich machen. Die Erfassung des Energieverbrauches zur Kostenverrechnung und die Messungen zur Erfassung von detaillierten Verbrauchskennwerten und Schwachstellen müssen deswegen gemeinsam geplant werden. Ein Messkonzept ist erforderlich.

Neben der Energie und weiteren Medien müssen auch die Kommunikationskosten mit berücksichtigt werden und können in diese Zielsetzung mit einbezogen werden. Dasselbe gilt für die Entsorgungskosten.

Zusammenfassend muss also ein Verrechnungskonzept für Energie und Medien erstellt werden. Dieses sollte Wärme, Elektrizität, Warmwasser, Kaltwasser, evtl. Kommunikation sowie evtl. Abfälle und Entsorgung berücksichtigen. Es muss folgende Kriterien berücksichtigen:

  • Kostenstellenstruktur/Verbrauch für eigenen Betrieb resp. für Dritte
  • Gesetzliche Bestimmungen
  • Relevanz der Energie-, Medien- oder Entsorgungskosten
  • Nutzen der separaten Verrechnung
  • Aufwand für separate Erfassung und Verrechnung
  • Messkonzept für Energieoptimierung

4.3.3 Umsetzung der Kostenzuordnung

4.3.1 Zielsetzung – 4.3.2 Kosten- und Nutzenbetrachtung – 4.3.3 Umsetzung der Kostenzuordnung

Aufgrund des Verrechnungskonzeptes müssen die erforderlichen Messungen geplant und realisiert werden. Da auch für die Energieoptimierung ein Messkonzept empfohlen wird, kann dies in diesem Zusammenhang erfolgen (siehe Kapitel 6).

Die Verrechnung gemäss gesetzlichen Vorgaben sowie die Energieverrechnung an Dritte müssen bestimmten Anforderungen genügen. Insbesondere sind Weiterverrechnungen an Dritte nur aufgrund von Messungen mit geeichten, zugelassenen Messgeräten statthaft.

Die Energie- und Medienverrechnung kann auch mit Pauschalbeträgen resp. aufgrund einer festen Zuordnung (Schlüssel) nach Miet- resp. Nutzflächen, Umsatz oder ähnlichen Grössen erfolgen. Bei diesen Lösungen erfolgt aber keine verbrauchsabhängige Kostenzuordnung. Für eine Verrechnung an Dritte kann dies nachteilig oder nicht zulässig sein. Zudem entsteht kein Sparanreiz.

Für die Kostenstellenzuordnung innerhalb eines Betriebes ist man in der Wahl der Methode und der Messgeräte frei. Damit kann eine möglichst einfache und kostengünstige Lösung realisiert werden. Die Genauigkeit der Messungen und der Kostenaufteilung spielt zur Erreichung der gewünschten Ziele fast immer keine Rolle.

Um den Aufwand der separaten Erfassung und Abrechnung zu verringern, sollte, wo dies möglich ist, eine automatisierte Messdatenerfassung (mit einem Bussystem) und eine EDV-gestützte Verrechnung realisiert werden. Nur in kleinen Betrieben mit nur wenigen Messungen kann eine manuelle Ablesung die günstigere Lösung sein. Immer ist auch hier eine möglichst einfache Lösung anzustreben.

Selbstverständlich kann für interne Zwecke der Energie- und Medienverbrauch auch anders als mit Messungen zugeordnet werden, falls dies einfacher ist. Beispielsweise mit Betriebsstundenzählern und einer Ablesung der Leistung, mit Berechnungen, Abschätzungen oder Erfahrungszahlen. Das Ziel, einen Sparanreiz zu schaffen, wird dann aber weniger oder nicht erreicht.

Wenn es möglich ist (bei EDV-gestützten, verbrauchsabhängigen Verrechnungen), wäre es sinnvoll, den einzelnen Verbrauchern eine Information (am besten eine grafische Darstellung) über den vergangenen Verbrauch, mindestens in der letzten Periode, mitzuliefern. Damit kann der einzelne Verbraucher sofort feststellen, ob sein Verbrauch ungewöhnlich grosse Schwankungen oder Abweichungen aufweist und daraus allfällige Massnahmen ableiten.

Für die Umsetzung der Kostenzuordnung der Kommunikationskosten stehen heute die nötigen technischen Möglichkeiten zur Verfügung.

Erfolgskontrolle:

Bei der Kostenzuordnung sollten die gesetzten Ziele überprüft werden. Dazu gehören bei freiwilligen Massnahmen die Erfassung des Nutzens der separaten Erfassung und die Überwachung des erforderlichen Aufwandes. Konnten die gesetzten Ziele erreicht werden, resp. führt die Kostenzuordnung zu einem reduzierten Energieverbrauch? Wie hoch sind die erzielten Einsparungen? Sind die Kosten für die verbrauchsabhängige Energiekostenzuordnung tiefer als der Nutzen?

Das Energieverrechnungskonzept soll jeweils nach einer gewissen Zeit aufgrund einer aktuellen Neubeurteilung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses überarbeitet und angepasst werden. Die Energiekostenentwicklung, die Entwicklung der Technik und der internen Prozesse können Anpassungen erfordern.