Energiemanagement bei Planung und Betrieb von Gebäuden

2.3 Methodisches Vorgehen

Kapitel: 02 Grundlagen
2.1 Energiemanagement: Definition
2.2 Energiemanagementsystem: Definition
2.3 Methodisches Vorgehen
2.4 Physikalische Grundlagen im Energiemanagement

Um Energiemanagement operativ erfolgreich umzusetzen, kann eine immer gleiche Methodik definiert werden. Je nach Aufgabe oder Teilgebiet des Energiemanagements werden die Massnahmen und Prozesse nach dieser Methodik den Anforderungen entsprechend abgeleitet.

2.3.1 Zielsetzung

2.3.1 Zielsetzung – 2.3.2 Vorgehen – 2.3.3 Herausforderungen

Am Anfang eines erfolgreichen EM steht die Definition der anzustrebenden Ziele. Nur mit klaren Zielen vor Augen kann ein positives Resultat erreicht werden. Die Ziele brauchen dabei nicht fix zu sein, sondern sie können sich im Verlaufe der Zeit ändern und neuen Erkenntnissen, Anforderungen oder äusseren Umständen angepasst werden.

Die Ziele sollten mit den übrigen Unternehmenszielen im Einklang stehen.

Typischerweise stehen folgende Ziele des Energiemanagements im Vordergrund:

  • Versorgungssicherheit
  • Kostenoptimierung
  • Umweltschonung
  • Kostenzuordnung

Mit diesen Zielen sollen folgende Verbesserungen erreicht werden:

  • Gewährleistung der Funktionalität des Gebäudes resp. der Anlagen und Einrichtungen
  • Erfüllung oder Verbesserung der Komfortkriterien
  • Verbesserte Kostentransparenz und verursachergerechte Kostenverrechnung
  • Kosteneinsparung
  • Erreichung von Zielen des Umweltmanagements
  • PR-Zwecke: Verbesserung des Images des Unternehmens

Heute wird teilweise von den Behörden ein Energiemanagement verlangt, z.B. bei Grossverbrauchern oder im Rahmen einer UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung). Je nachdem können sich auch Vorteile bei der Bewilligung neuer Bauten und Anlagen ergeben, z.B. im Kanton Zürich. Und nicht zuletzt kann sich durch ein erfolgreiches Energiemanagement der Wert eines Gebäudes oder Unternehmens erhöhen.

Als Teil des Umweltmanagements (z.B. ISO 14001) müssen die Ziele des Energiemanagements auch den Umweltzielen des Unternehmens angepasst sein. Neu gibt es die Norm SN EN ISO 50001 «Energiemanagementsysteme – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung», 2011, welche für Unternehmungen eine Grundlage bietet, erfolgreich ein Energiemanagement einzuführen. Diese Norm ist abgestimmt auf ISO 9001 «Qualitätsmanagement» und ISO 14001 «Umweltmanagement». Organisationen können, basierend auf diesen ISO-Normen, analoge Systeme für Qualität, Umwelt und Energie aufbauen. Auf Stufe Geschäftsleitung, typischerweise als Stab, sollten die Verantwortlichkeiten dafür geregelt sein.

2.3.2 Vorgehen

2.3.1 Zielsetzung – 2.3.2 Vorgehen – 2.3.3 Herausforderungen

Um die Ziele zu erreichen, ist ein geeignetes, strukturiertes Vorgehen erforderlich. Die Schritte sind prinzipiell immer die folgenden:

  • Zielsetzung
  • Erfassen der aktuellen Situation
  • Bilden von Kennzahlen
  • Erstellen von Verläufen und Statistiken
  • Vergleich mit Referenzwerten
  • Schwachstellenanalyse
  • Optimierungsvarianten und Massnahmenplan erarbeiten
  • Kosten-Nutzen-Analyse
  • Massnahmen umsetzen
  • Erfolgskontrolle

Diese Schritte werden in den folgenden Kapiteln detailliert besprochen. Einer der wichtigsten Schritte ist die Erfolgskontrolle. Nur so kann der Nutzen der Massnahmen erfasst werden und ein Vergleich zu den Voraussagen wird möglich. Weiter können wichtige Erfahrungen für zukünftige Projekte und Massnahmen gewonnen werden.

2.3.3 Herausforderungen

2.3.1 Zielsetzung – 2.3.2 Vorgehen – 2.3.3 Herausforderungen

Für ein effizientes, zielgerichtetes Vorgehen im oben genannten Sinn ist eine Projektdefinition und -planung unumgänglich. Oft sind im eigenen Betrieb nicht genügend fachliche und personelle Ressourcen vorhanden, sodass einzelne oder alle Vorgehensschritte an externe Fachleute vergeben werden müssen. Die externen Spezialisten müssen in jedem Fall durch interne Personen eng begleitet werden, um den Erfolg des Projektes zu garantieren. Die externen Berater sind auf die intern gesammelten Daten und Kennwerte angewiesen. Die Erfassung dieser Daten kann kaum an externe Stellen delegiert werden, es sei denn im Rahmen des Outsourcings des ganzen technischen Gebäudemanagements.

Eine weitere Hauptherausforderung für Energieverantwortliche sind oft die Zuständigkeits- und Eigentumsverhältnisse: Der Gebäudenutzer ist zunehmend nicht der Eigentümer der Gebäude, sondern ein Mieter. Der Gebäudebetreiber ist vom Eigentümer engagiert und hat nicht dieselben Zielvorgaben wie der Nutzer. Damit sind drei Parteien involviert, welche nicht nur unterschiedliche Interessen und Ziele haben, sondern oft auch separat über Budgets bestimmen können.

Diese Probleme können auch auftreten, wenn die drei Rollen Betreiber, Eigentümer und Nutzer von unterschiedlichen Organisationseinheiten innerhalb desselben Konzerns wahrgenommen werden. In einer solchen Konstellation betreffen die Energiemanagementprozesse und -massnahmen mindestens drei Parteien, was oft zu Spannungen oder nur schwer lösbaren Zielkonflikten führt. Hier ist es Aufgabe der Geschäftsleitung, klare Vorgaben zu machen und Verantwortungen wie auch Kompetenzen zuzuweisen.

In jedem Fall muss das Energiemanagement immer in Zusammenarbeit mit den betroffenen Stellen und Personen erfolgen. Dies betrifft insbesondere die Massnahmenplanung. Von «aussen» aufoktroyierte Massnahmen werden meist sehr schlecht akzeptiert und bleiben deshalb ohne Erfolg. Deswegen sind Energieoptimierungsprojekte, die massgeblich von externen Beratern beeinflusst werden, oft nur teilweise erfolgreich. Die Personen, welche operativ Energieeffizienzmassnahmen umsetzen müssen, müssen in den ganzen Prozess einbezogen werden, und ihre Interessen und Bedürfnisse, aber auch ihr Know-how und ihre Ideen, müssen einfliessen können.