Energiemanagement bei Planung und Betrieb von Gebäuden

10.3 Einspar-Contracting

Kapitel: 10 Contracting
10.1 Situation
10.2 Anlagen-Contracting
10.3 Einspar-Contracting
10.4 Betriebsführungs-Contracting

10.3.1 Vorgehen

10.3.1 Vorgehen – 10.3.2 Einsparcontracting mit investiven Massnahmen – 10.3.3 Hindernisse – 10.3.4 Modell energo

Das Einspar-Contracting beruht auf dem Prinzip, dass ein Contracting-Anbieter ein Energiesparpotenzial nutzbar macht, welches vom Anlageneigentümer nicht genutzt werden könnte. Der Anlageneigentümer hat im Allgemeinen zu wenige Fachkenntnisse, zu wenig Zeit und zu wenig flüssige oder langfristig investierbare Mittel. Ohne Einsparpotenzial kann ein Einspar-Contracting nicht wirtschaftlich erfolgreich sein.

Der Contractor investiert in die Optimierung bestehender Anlagen, sei es in Form von Arbeit (Untersuchungen, Analysen, Betriebsoptimierung etc.) oder in Form von Anlagenverbesserungen und Nachrüstungen. Letzteres können neue Ventilatoren, Wärmerückgewinnungsanlagen, Steuerungen etc. sein.

Der Contractor profitiert anschliessend während der Vertragszeit von den Einsparungen, indem er typischerweise den grösseren Anteil an den Einsparungen ausbezahlt erhält. Damit finanziert er seine Aufwendungen. Nach Ablauf der Vertragsdauer (typisch 5 bis 10 Jahre) geht der ganze Profit an den Contracting-Nehmer.

Das Prinzip von Einspar-Contracting ist in Abb. 46 dargestellt. Es können dabei Projekte realisiert werden, bei denen der Contractor nur eine Betriebsoptimierung vornimmt mit kaum investiven Massnahmen. Oder aber der Contractor investiert in Sanierungsmassnahmen und neue Anlagen zur Energieeinsparung, womit dann dieses Modell mit dem Anlagen-Contracting verschmilzt (Abb. 47).

Einspar-Contracting
Abb. 46: Einspar-Contracting
Einspar-Contracting inkl. investiver Massnahmen
Abb. 47: Einspar-Contracting inkl. investiver Massnahmen

Der Kunde hat kaum ein grundsätzliches Risiko, er kann von den Leistungen des Contractors profitieren. Ziel ist es wiederum, dass ein Win-win-Verhältnis entsteht.

10.3.2 Einsparcontracting mit investiven Massnahmen

10.3.1 Vorgehen – 10.3.2 Einsparcontracting mit investiven Massnahmen – 10.3.3 Hindernisse – 10.3.4 Modell energo

Insbesondere in Deutschland werden auch Einspar-Contracting-Verträge abgeschlossen, welche investive Massnahmen enthalten. Der Contractor sucht nach Sanierungsmassnahmen und setzt diese dann mit eigenen Mitteln um. Er finanziert seinen Aufwand, indem er typischerweise um die 80 % der eingesparten Energiekosten über die Vertragslaufzweit als Entgelt erhält. Die Anlagen hingegen bleiben resp. sind von Beginn weg im Eigentum des Gebäudebesitzers. Nach Ablauf der Vertragslaufzeit kann er vom vollen Nutzen der Massnahmen profitieren.

10.3.3 Hindernisse

10.3.1 Vorgehen – 10.3.2 Einsparcontracting mit investiven Massnahmen – 10.3.3 Hindernisse – 10.3.4 Modell energo

Das Einspar-Contracting verbreitet sich weniger als das Anlagen-Contracting. Grund ist zum einen, dass die Projekte oft relativ klein sind, was die Finanzierung erschwert und den Aufwand für Verträge etc. im Verhältnis zum Ertrag vergrössert.

Die Definition der Einsparungen, welche infolge der Aktivitäten des Contractors entstanden sind, ist oft schwierig. Sind die Einsparungen nun wegen der neuen WRG entstanden oder weil die Witterung änderte oder der Nutzer die Anlage weniger oft in Betrieb nahm? Wie hoch war der Verbrauch vor den Massnahmen? Dies sind nur zwei Beispiele von schwierig zu beantwortenden Fragen, an welchen Einspar-Contracting-Vorhaben scheitern können.

Die Schwankung der Energiepreise und Nutzungsänderungen können weitere Fallstricke sein, die den Gewinn des Contractors beeinflussen. Für den Anbieter wird damit das Risiko im Vergleich zum möglichen Gewinn oft zu hoch. Lohnend sind vor allem kurzfristig rentable Massnahmen.

10.3.4 Modell energo

10.3.1 Vorgehen – 10.3.2 Einsparcontracting mit investiven Massnahmen – 10.3.3 Hindernisse – 10.3.4 Modell energo

Energo ist ein gemeinnütziger, nicht gewinnorientierter Verein mit schlanken Strukturen und klaren Ansprechpartnern (Abb. 48). Energo wird im Rahmen des Programms EnergieSchweiz durch das Bundesamt für Energie gefördert, wobei die Vereinsträgerschaften Kantone, Städte und Gemeinden bilden. Operativ handelt energo aus Geschäftsstellen in Bern, Ecublens (VD) und Hünenberg (ZG). Energo ist schweizweit ein bedeutendes Kompetenzzentrum für die Gesamtenergieeffizienz in bestehenden, grösseren Gebäuden in den Segmenten öffentliche Hand, Dienstleistungssektor und Wohnungsmarkt. In der Deutschschweiz werden derzeit (2013) über 500 Institutionen betreut. Dabei handelt es sich um Spitäler, Heime, Schulen, Verwaltungsgebäude, Sportanlagen, Hallenbäder, Wohnsiedlungen, usw. Energo richtet sich an Betreiber von öffentlichen, grösseren Gebäuden von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie seit 2010 auch an private und halbstaatliche Gebäudebetreiber.

Organisation energo
Abb. 48: Organisation energo
energo

Bei der Mandatsabwicklung arbeitet energo mit qualifizierten Energiespezialisten zusammen. Über 60 zertifizierte Ingenieurbüros sind für die lokale Betreuung der Kunden in allen Kantonen der Schweiz präsent. Energo hat hauptsächlich zum Ziel, die Energiekosten von Gebäuden mittels Betriebsoptimierung und Modernisierung der Gebäudetechnik um bis zu 40 % zu senken. Energo garantiert seinen Kunden auf Wunsch erhebliche Kosteneinsparungen und Konkurrenzvorteile bei gleichem Komfort und gleicher Sicherheit.

Die Kernkompetenzen sind Beratungen, spezialisierte Ingenieurleistungen und Weiterbildungen im Bereich Energie und Gebäudetechnik.

Energo spielt eine wesentliche Rolle bei der Reduktion des Energie- und Ressourcenbedarfes in den bestehenden Gebäuden und trägt damit zur Zielerreichung von EnergieSchweiz bei.

Produkte von energo

Die Produkte von energo sind in Abb. 49 aufgeführt. Der Verein bietet, neben anderem, eine Art Einspar-Contracting für grössere, bestehende Gebäude an. Er verkauft Abonnemente (energo© BASIC, energo© ADVANCED und energo© PREMIUM) mit einer Laufzeit von 5 Jahren. Als Gegenleistung wird bei den ersten beiden Produkten eine Energieeinsparung von 8 % bis 12 % versprochen, welche insbesondere durch Betriebsoptimierung erreicht wird. Energo profitiert dann ebenfalls von den Einsparungen und finanziert so einen Teil seiner Aufwendungen. Für die Analysen und Beratungen vor Ort arbeitet energo mit zertifizierten Ingenieurbüros zusammen.

Produkteübersicht energo
Abb. 49: Produkteübersicht energo
energo

Mit dem Produkt energo© PREMIUM wird zusätzlich die Erneuerung der Gebäudetechnik mit einbezogen, mit einer möglichen Energieeinsparung bis zu 40 %. Es werden Analysen vorgenommen und Konzeptstudien erstellt. Auf Wunsch kann eine fachliche Projektbegleitung angeboten werden.

Die Analyse des öffentlichen Gebäudeparks zeigt auf, dass das grösste, ungenutzte und kurzfristig realisierbare energetische Sparpotenzial in den bestehenden grossen und komplexen Gebäuden zu finden ist. In diesem Bereich gibt es bis heute nur wenige Anwendungen von Energiemanagement.

Das hauptsächliche Zielpublikum von energo für das Energiemanagement in den grossen und komplexen Gebäuden sind die Gebäudebetreiber, d.h. deren technische Dienste. Die in der folgenden Abb. 50 dargestellten Sektoren «Sanierung» und «Energiebewirtschaftung» sind gleichzeitig diejenigen Anwendungen, welche den grössten Wissenstransfer benötigen.

Einsparungen mit ADVANCED-Abonnement
Abb. 50: Einsparungen mit ADVANCED-Abonnement
energo

Ergänzend zur Beratung vor Ort stellt energo ein breites Weiterbildungsangebot zu Verfügung. So führen Seminare für den technischen Dienst von Anlagenbetreibern zum gewünschten, nachhaltigen Erfolg.