Energiemanagement bei Planung und Betrieb von Gebäuden

10.1 Situation

Kapitel: 10 Contracting
10.1 Situation
10.2 Anlagen-Contracting
10.3 Einspar-Contracting
10.4 Betriebsführungs-Contracting

Heute ist es üblich, dass die Energieerzeugungsanlagen für Raumheizung (Wärme), Klimatisierung (Kälte) und eventuell Anlagen der Stromversorgung (z.B. Trafos) vom Gebäudeeigentümer erstellt und betrieben werden. Analog sind Anlagen für Prozesswärme und -kälte typischerweise im Besitz des Betriebes, welcher diese Energie für seine Kerntätigkeit benötigt.

In beiden Fällen gehört das Erstellen und Betreiben von energietechnischen Anlagen nicht zum Kerngeschäft des Gebäudeeigentümers resp. des Betriebes. Diese Aufgaben binden Kapital und Personal und erfordern Know-how. Das Kapital ist knapp und würde besser dem Kerngeschäft zur Verfügung stehen. Das Personal steht oft nicht mit der eigentlich erforderlichen Kompetenz für den optimalen Anlagenbetrieb zur Verfügung. Planung, Bau und Betrieb von energietechnischen Anlagen werden von verschiedenen Unternehmungen ausgeführt. Deren Interessen sind nicht immer dieselben. Die Verantwortung liegt bei verschiedenen Firmen.

Aus dieser Situation ergeben sich oft unbefriedigende Lösungen und ein suboptimaler Betrieb. Der Bauherr ist oftmals hauptsächlich an der Höhe der anfänglichen Investitionen interessiert. Insbesondere bei Rendite- und Mietobjekten werden die Betriebskosten als sekundär betrachtet. Auch der Planer und der Unternehmer sind nicht von den langfristigen Kosten einer Anlage betroffen. Daraus ergeben sich oft Lösungen, welche weder zu minimalen Jahreskosten noch zu minimalem Energieverbrauch und Emissionen führen.

Bei bestehenden Anlagen können Spar- und Optimierungspotenziale oft nicht genutzt werden, weil die nötige Finanzierung von Verbesserungsmassnahmen nicht sichergestellt werden kann. Auch fehlt in der Regel das erforderliche fachliche Know-how für Betriebsoptimierungen und neue Konzepte.

Contracting, die Patentlösung?

Beim Contracting wird zwischen Anlagen-Contracting und Einspar-Contracting unterschieden. Beim Ersten steht der Bau und Betrieb von Anlagen in Vordergrund, während beim Zweiten die Einsparung von Energie bei bestehenden Anlagen im Vordergrund steht.

In vielen Fällen kann mit Contracting eine für alle vorteilhafte Lösung gefunden werden. Im Fall von Anlagen-Contracting übernimmt der Contractor die langfristige Verpflichtung, die erforderliche Nutzenergie zu liefern. Er koordiniert Planung, Bau und Betrieb einer Anlage und finanziert diese auch. Als Eigentümer und Betreiber der Anlage ist er an möglichst tiefen Jahreskosten interessiert und hat das Interesse, qualitativ hochstehende, preisgünstige und energieeffiziente Anlagen zu realisieren. Er verfügt über fachkundiges Personal und Erfahrungen im Bau und Betrieb von energietechnischen Anlagen.

Contracting erfreut sich in Deutschland und in den USA seit Längerem einer grossen Beliebtheit. In der Schweiz werden Contracting-Verträge seit etwa dem Jahr 1997 zunehmend abgeschlossen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass mit Contracting zusätzliche Energiesparpotenziale erschlossen werden können. Contracting wird teilweise deswegen auch vom Bund mit dem Programm EnergieSchweiz unterstützt.